Die Woche hier begann für „meine indischen“ Verhältnisse turbulent 😉 Naja, sagen wir, wenigstens etwas aufregend. Ich lief zum Assi Ghat (das ist von hier ne gute halbe Stunde quer durch die Hitze) und bekam unterwegs doch echt beim dritten Geldautomaten auch Geld. Das mit dem Bargeld ist oftmals so eine Sache (neben der Sache, dass man die Scheine später nicht los wird, da keiner rausgeben kann)..denn Geldautomaten haben nicht unbedingt Geld. Oder Strom. Oder einfach ein Schloss vor der Tür. Nach welcher Logik erschliesst sich einem selten und somit..wenn es funktioniert, gierig Geld abheben. Jetzt sollte ich genug haben für die nächsten drei Wochen und den Andamanenurlaub (und notfalls sollte ja hoffentlich der Geldautomat am Flughafen in Kolkata funktionieren). Dann gings wie immer zum Buchladen – mein Buch (welches sogar von einem Publisher aus Varanasi ist) ist noch immer nicht da, anscheinend müssen sie es echt drucken 😉 Ich habe große Hoffnungen auf Ende der Woche (da dürfte dann auch bald mein letztes „richtiges“ Buch durchgelesen sein und Nachschub benötigt werden). Wieder anregende Gespräche mit dem Besitzer geführt, der mittlerweile auch mein halbes Leben und meine Dissertation in- und auswendig kennt und dann ab zum Frühstück-/Mittagessen. Da das Wifi hier funktionierte, hatte ich dann auch Markus als nette Essensbegleitung 😉 Als ich gehen wollte, waren jedoch meine Schuhe nicht mehr da. Schuhe = enorm ausgelatschte Flipflops, die Indien nicht mehr verlassen werden. Also Diebstahl schloss ich mal sofort aus und so war es dann auch – ein Mitarbeiter hatte sie schlichtweg mit seinen „verwechselt“ (ich ignoriere die Tatsache, dass auf meinen Blumen sind und auf seinen nicht mal hart) und nach einigen Telefonaten musste ich dankbarerweise nicht barfuss zurücklaufen.

 

Nicht, dass ich hier mega ziemperlich bin oder so, doch die Müllmänner (ja, es gibt welche!) streiken gerade und anstatt hier irgendwas zu machen, liegt der Müll nun rum. Und ja, das riecht nicht gut und irgendwie sind (mal wieder) die toten Ratten darin auch nicht das Wahre. Da wollte ich barfuss dann nicht durch (wir bilden uns hier bitte alle ein, dass meine Flipflops helfen)..mittlerweile sind einige Stadtteile „gesperrt“ worden, weil man den Geruch dort nicht mehr aushalten kann (bedenkt, wir haben immer noch über 30 Grad) und es mal wieder Seuchengefahr gibt..sie lernen’s aber doch auch nicht 🙂 Mal sehen, wann das wieder vorbei ist oder ob nach ein paar Tagen Gestreike einfach weitergemacht wird (worum es genau geht, konnte ich weder den Zeitungen noch den Leuten hier entnehmen, weiss keiner und scheint auch nicht von Interesse zu sein).

 

Seit gestern ist hier (mal wieder) ein Festival. An 9 Tagen werden diverse Bühnen mit Schauspielern gefüllt, die kleine Episoden aus (ich will hier nichts falsches sagen und benutze das Wort) einem indischen Epos aufführen und dann sind noch ganz viele Statuen diverser Gottheiten gebaut worden. Ist ein großes Volksfest mit megamässig vielen Menschen 😉 Diwali verpasse ich dieses Mal leider hier in Varanasi, da sind wir dann schon unterwegs..aber direkt danach ist wieder irgendein Ganga-Festival..also wenn man abends (mit Begleitung) rausgeht, langweilig wird einem nicht..aber meist ist es so laut und eng und voll..dass es eher stressig wie spassig ist.

 

Ansonsten warte ich. Was sehr langweilend ist. Aber dadurch lerne ich am Tag locker drei Stunden Hindi und mache hier echt fühlbare Fortschritte in meiner Alltagskommunikation 🙂 Rajesh will mir seit einer Woche die Fragebögen (die Teile, die grammatikalisch mein Können übersteigen) fertig übersetzen, dass wir endlich in die Altenheime können. Sollte das tempohaft so weitergehen, reicht meine Zeit hier nie im Leben aus. Aber nein, ein drittes Mal werde ich nicht herkommen, dann muss ich irgendwie mit den bisherigen Ergebnissen auskommen (was klappen dürfte, auch wenn es meinen Ansprüchen eigentlich nicht genügt..hachja!). Warten wir mal ab, noch sind es ja 19 Tage bis es nach Kolkata (und auf die Andamanen) geht..da kann viel passieren!

 

Gestern verlief ich mich noch gekonnt wie immer, wenn ich zu dem einen Dachterassenrestaurant will, wo man in aller Ruhe seinen Tee trinken und lesen kann. Verschwitzt und fix und alle kam ich dann dort an, nachdem ich locker 1 km zurück am Ganges entlang lief. Uh genau, man kann wieder am Ganges laufen. Zwar ist noch Matsch da, aber hey, ich habe doch Flipflops! Somit verbrachte ich dann dort über dem Hauptverbrennungsghat meinen Nachmittag mit den Vor- und Nachteilen von narrativen Leitfrageninterviews und biographischen Interviews 😉 Und abends gabs dann wieder ein Thali. Da ich hier ein echt langweiliger Esser bin (je nachdem, was ich will, gehe ich zu dem Restaurant wo eben dies am leckersten ist), esse ich meist immer ein und dasselbe Gericht. Was alle Kellner/Besitzer amüsiert, da sie mich nicht mehr fragen müssen, sondern sich freuen zu wissen, was ich will 😉

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